Sighișoara | Geschichte / Galerie

Die Geschichte von Schäßburg (Sighișoara)

Schäßburg, heute unter ihrem rumänischen Namen Sighișoara bekannt, zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Städten Siebenbürgens in Rumänien. Die Stadt liegt im Tal der Großen Kokel (Târnava Mare) und gilt als eine der am besten erhaltenen bewohnten mittelalterlichen Burgstädte Europas. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen historischen und architektonischen Bedeutung wurde die Altstadt 1999 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.

Die Gründung im Mittelalter

Die Geschichte Schäßburgs beginnt im 12. Jahrhundert, als die ungarischen Könige deutsche Siedler – die später als Siebenbürger Sachsen bekannt wurden – nach Transsilvanien einluden. Ihre Aufgabe bestand darin, die östlichen Grenzen des Königreichs Ungarn zu sichern, Handel zu fördern und neue Städte zu gründen. Im Laufe des 13. Jahrhunderts entstand auf einem Hügel eine befestigte Siedlung. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1280. Aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage entwickelte sich Schäßburg rasch zu einem wichtigen Handels- und Handwerkszentrum.

Blütezeit als sächsische Handelsstadt

Im 14. und 15. Jahrhundert erlebte Schäßburg eine wirtschaftliche Blüte. Die Stadt erhielt weitreichende Handelsprivilegien und wurde zu einem bedeutenden Zentrum des Handwerks. Verschiedene Zünfte prägten das wirtschaftliche Leben und übernahmen zugleich die Verteidigung der Stadtmauer. Jede Zunft war für die Instandhaltung eines Turmes verantwortlich. Von den ursprünglich vierzehn Wehrtürmen sind heute noch neun erhalten. Besonders bekannt ist der Uhrturm, der im 14. Jahrhundert errichtet wurde und bis heute das Wahrzeichen der Stadt darstellt. Er diente jahrhundertelang als Haupttor zur Burg und als Sitz der Stadtverwaltung. Seine mechanischen Figuren symbolisieren Wochentage, Tugenden und Gerechtigkeit.

Die Burg und das mittelalterliche Stadtbild

Die vollständig erhaltene Burganlage mit ihren engen Gassen, farbenfrohen Bürgerhäusern, Kirchen und Wehrmauern vermittelt bis heute einen authentischen Eindruck einer mittelalterlichen Stadt. Das Herzstück bildet die Bergkirche, die über die überdachte Schülertreppe mit ihren rund 175 Stufen erreichbar ist. Die Treppe wurde im 17. Jahrhundert errichtet, um Schülern und Kirchgängern den Aufstieg bei schlechtem Wetter zu erleichtern.

Vlad Dracul und die Legende um Dracula

Besondere Bekanntheit erlangte Schäßburg auch durch ihre Verbindung zu Vlad II. Dracul, dem Vater von Vlad III. Drăculea, der als historische Vorlage für die Figur des Dracula gilt. Vlad III. wurde vermutlich 1431 in Schäßburg geboren, als sein Vater dort lebte. Obwohl die literarische Figur Dracula auf dem Roman des irischen Schriftstellers Bram Stoker beruht, hat die historische Persönlichkeit Vlad III. wesentlich zur weltweiten Bekanntheit der Stadt beigetragen.

Schäßburg in der Neuzeit

Während der folgenden Jahrhunderte blieb Schäßburg ein wichtiges kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Siebenbürger Sachsen. Mehrfach wurde die Stadt durch Brände, Pestepidemien und kriegerische Auseinandersetzungen schwer getroffen, konnte sich jedoch immer wieder erholen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Siebenbürgen Teil Rumäniens. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Bevölkerungsstruktur erheblich. Viele Angehörige der deutschen Minderheit wurden enteignet oder verließen in den folgenden Jahrzehnten ihre Heimat. Besonders nach dem politischen Umbruch von 1989 wanderten zahlreiche Siebenbürger Sachsen nach Deutschland aus.

Schäßburg heute

Heute ist Sighișoara eine lebendige Kleinstadt mit rund 25.000 Einwohnern und eines der beliebtesten Reiseziele Rumäniens. Die hervorragend erhaltene Altstadt zieht jährlich zahlreiche Besucher aus aller Welt an. Historische Gebäude, Museen, kulturelle Veranstaltungen und das alljährliche Mittelalterfestival erinnern an die lange Geschichte der Stadt. Schäßburg gilt als einzigartiges Zeugnis der Kultur der Siebenbürger Sachsen und als herausragendes Beispiel mittelalterlicher Stadtentwicklung in Osteuropa. Die Kombination aus gut erhaltener Architektur, bewegter Geschichte und kultureller Vielfalt macht die Stadt zu einem der faszinierendsten historischen Orte Rumäniens.